Wissenschaftler bestätigen: Sprachenlernen im späteren Alter kann kognitiven Abbau verzögern und Einsamkeit entgegenwirken

April 2026

Rom, April 2026 – Die Nachfrage nach Sprachreisen bei Erwachsenen über 50 Jahren ist in den vergangenen zwei Jahren um rund 50 Prozent gestiegen. Das zeigen Daten, die EF Sprachreisen bei einem kürzlich in Rom veranstalteten Event präsentierte – und die Gründe dafür gehen weit über den reinen Spracherwerb hinaus.

EF brachte am 15. und 16. April Wissenschaftler, Teilnehmende und Medienvertreter in der Sprachschule im historischen Zentrum Roms zusammen, um zu beleuchten, wie Sprachenlernen im späteren Leben die Art und Weise verändert, wie Menschen das Älterwerden, soziale Verbundenheit und persönliche Weiterentwicklung erleben.

Die Veranstaltung kombinierte immersive Unterrichtserlebnisse mit einer Podiumsdiskussion mit Experten aus den Bereichen Neurowissenschaft, Psychologie und Altersforschung. Gemeinsam hoben sie einen wachsenden globalen Trend hervor: Immer mehr Erwachsene über 50 entscheiden sich für Sprachreisen – nicht nur, um eine Sprache zu lernen, sondern auch, um geistig aktiv zu bleiben, soziale Kontakte zu pflegen und offen für neue Erfahrungen zu bleiben.

Vom Sprachenlernen zur lebenslangen kognitiven Gesundheit

Ein zentrales Thema der Veranstaltung war der Zusammenhang zwischen immersivem Lernen und der Gesundheit des Gehirns. Prof. Dr. Raffaella Rumiati, Neuropsychologin und kognitive Neurowissenschaftlerin an der SISSA Triest und der Universität Rom Tor Vergata, erklärte, dass intellektuelle Stimulation nicht nur ein Nebenprodukt des Sprachenlernens ist – sie ist der eigentliche Mechanismus:

„Etwas Neues auszuprobieren kann herausfordernd sein – aber genau das macht es für Ihr Gehirn so wertvoll.“

Sie stellte das Konzept der „kognitiven Reserve“ vor – die Fähigkeit des Gehirns, über die Zeit hinweg widerstandsfähig zu bleiben – und bezeichnete es als einen der wichtigsten Vorteile kontinuierlichen Lernens:

„Lebenslanges Lernen hilft dabei, die sogenannte ‚kognitive Reserve‘ aufzubauen – eine Art Schutzmechanismus, der dazu beiträgt, auch im Alter geistig gesund zu bleiben.“

Studien haben gezeigt, dass Zweisprachigkeit den Ausbruch von Alzheimer-Symptomen im Durchschnitt um vier bis fünf Jahre verzögern kann – ein Effekt, den Forschende auf die kognitive Reserve zurückführen, die durch den Umgang mit mehreren Sprachsystemen entsteht.

Rumiati machte deutlich, dass Lernen im Alter nicht weniger wirksam ist, sondern anders funktioniert. Ältere Lernende greifen stärker auf Erfahrung, Strategie und Kontext zurück und gleichen damit die Geschwindigkeitsvorteile jüngerer Lernender aus oder ergänzen diese.

„Das Lernen mag im Alter zwar langsamer werden, dafür gewinnt man an Erfahrung und Strategien, die auf andere Weise zum Erfolg verhelfen.“

Diese Diskussion bestätigte auch die Erkenntnisse aus dem EF „Lifelong Learning Trend Report“, der im Rahmen des Events vorgestellt wurde und zeigt, wie immersives Lernen kognitive Aktivität, soziale Vernetzung und das allgemeine Wohlbefinden im späteren Leben fördert.

Selbstvertrauen, Neuroplastizität und der Weg aus der Komfortzone

Der Psychologe und Forscher Nicola Del Maschio von der Vita-Salute San Raffaele Universität in Mailand wies auf ein Phänomen hin, das weit über den bloßen Spracherwerb hinausgeht. Wenn sich ältere Erwachsene einer anspruchsvollen kognitiven Herausforderung stellen und diese erfolgreich meistern, wirkt sich das gewonnene Selbstvertrauen auch auf andere Lebensbereiche aus:

„Wenn man sich selbst mit etwas Neuem herausfordert und Erfolg hat, stärkt es das Selbstvertrauen weit über diese eine Aktivität hinaus.“

Forscher bezeichnen dieses Phänomen als sogenannten „Halo-Effekt“: Das positive Gefühl, eine schwierige Herausforderung gemeistert zu haben, wirkt sich auf andere

Lebensbereiche aus – etwa auf Auftreten, Entscheidungsfindung und zwischenmenschliche Beziehungen.

„Das Erlernen einer neuen Sprache hält das Gehirn flexibel – es stärkt Fähigkeiten wie Gedächtnis, Konzentration und Problemlösungskompetenz.“

Dies entspricht auch den Erkenntnissen aus den Daten von EF: Wenn Teilnehmende gefragt werden, was sie aus einer immersiven Sprachreise mitnehmen, ist die häufigste Antwort nicht nur eine Verbesserung der Sprachkenntnisse. Es ist ein wiedergewonnenes Selbstvertrauen.

Verbundenheit, Motivation und ein neues Kapitel im späteren Leben

Neben der kognitiven Gesundheit stand auch die soziale Dimension des Sprachenlernens im Mittelpunkt. Giovanni Lamura, Direktor des IRCCS – Zentrum für sozioökonomische Altersforschung in Ancona, brachte die Public-Health-Perspektive in die Diskussion ein. Einsamkeit im Alter zählt zu den am wenigsten beachteten Gesundheitsherausforderungen in Europa – Studien zeigen, dass ihre Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit mit denen des Rauchens vergleichbar sind. Sprachenlernen, so Lamura, ist eine der zugänglichsten und effektivsten sozialen Maßnahmen:

„Sprachenlernen kann ein wirkungsvoller Weg sein, sich mit anderen zu verbinden und der Einsamkeit entgegenzuwirken, die heute eine wachsende Herausforderung darstellt.“

Er hob auch eine Veränderung der Motivation hervor, die im späteren Leben eintritt. Anders als jüngere Lernende, die häufig von Karriere oder Qualifikation motiviert sind, verfolgen Erwachsene über 50 das Lernen aus einer ganz anderen inneren Haltung:

„Im späteren Leben geht es beim Lernen nicht mehr um Verpflichtung – es entspringt einem echten Wunsch nach Wachstum und neuen Erfahrungen.“

„Für viele geht es nicht einfach darum, eine Sprache zu lernen – es geht darum, ein neues Kapitel im Leben zu beginnen.“

Dies wurde anschaulich durch die beim Event anwesenden Teilnehmenden. Darunter war Carlos Enrique Bellisio, ein 68-Jähriger aus Argentinien, der bereits 40 wissenschaftliche Expeditionen in die Antarktis geleitet hat. Er beschrieb seine Entscheidung, einen Sprachkurs in Rom zu absolvieren, als eine der größten

Herausforderungen seines Lebens – noch herausfordernder als die Expeditionen, sagte er. In seinen eigenen Worten: „Es brauchte Mut, meine Angst zu überwinden, mich vielleicht lächerlich zu machen, aber am Ende lachte ich über meine eigenen Fehler und verstand, dass wir alle hier sind, um von Grund auf neu zu lernen.“

Seine Geschichte ist nicht außergewöhnlich – sie ist repräsentativ. Im Gespräch mit zahlreichen Teilnehmenden über 50 zeigt sich ein ähnliches Muster: Der genannte Grund für die Teilnahme war die Sprache; der eigentliche Grund lag tiefer.

Immersives Lernen im Herzen von Rom

Während des Events erlebten Journalisten die immersive Lernmethode von EF aus erster Hand – eine Kombination aus strukturiertem und engagierendem Unterricht mit realem Sprachgebrauch durch gezielt ausgewählte kulturelle Aktivitäten. Die immersive Methode ist keine Ergänzung zum Lernen – sie ist der Lernprozess selbst. Forschung in der Psycholinguistik zeigt, dass es der anhaltende Realitätsbezug ist, der den Sprung vom bewussten Vokabelabruf zur natürlichen, emotionalen Anwendung verschafft – der Moment, in dem man eine Sprache nicht mehr nur beherrscht, sondern sie lebt.

Die Teilnehmenden interagieren direkt mit der lokalen Sprache und Kultur und verwandeln Reisen so in eine interaktive und transformative Erfahrung. Wie sich im Verlauf der Veranstaltung zeigte: Sprache ist mehr als eine Fertigkeit – sie ist ein Zugang zu anderen Kulturen, Perspektiven und Denkweisen.

Ein bemerkenswertes Merkmal der 50+-Programme von EF ist die Vielfalt im Klassenzimmer. Die Vielzahl von Nationalitäten, Hintergründen und Lebenserfahrungen schafft ein Umfeld, in dem Lernen in mehrere Richtungen stattfindet und langfristige Verbindungen entstehen. Teilnehmende beschrieben dies als einen der unerwartetsten und wertvollsten Aspekte der Erfahrung.

Eine wachsende globale Bewegung

Das Event von EF in Rom spiegelt einen breiteren globalen Trend wider: eine neue Generation älterer Lernender, die gezielt nach intellektueller Stimulation, kultureller Immersion und bedeutungsvollen sozialen Verbindungen sucht.

Corinne (53) aus Frankreich beschreibt ihre Erfahrung so: „Es ging nicht nur ums Lernen, es war immersiv. Die Umgebung, die Menschen, die Struktur. Man lernte nicht nur die Sprache, man lebte sie.“

Was Teilnehmende über Nationalitäten, Alter und Herkunft hinweg verbindet, ist eine gemeinsame Haltung: Lernen als bewusste, erfahrungsorientierte Entscheidung, die nicht mit dem Renteneintritt endet. Die Wissenschaft, wie diese Veranstaltung zeigte, bestätigt dies.

Über EF Sprachreisen

EF Sprachreisen bietet Menschen jeden Alters die Möglichkeit, ihre Sprachkenntnisse vor Ort an einer von weltweit 50 EF Sprachschulen zu verbessern und gleichzeitig in eine neue Kultur einzutauchen. Die Teilnehmenden wohnen in einer EF Unterkunft oder einer Privatunterkunft, für Zeiträume von zwei Wochen bis zu einem Jahr.

Über EF

EF (Education First) wurde 1965 gegründet und ist ein globales Netzwerk von Bildungsunternehmen mit dem gemeinsamen Ziel, durch Bildung neue Horizonte zu eröffnen. EF bietet Sprachkurse, Kulturaustausch, Schul- und Hochschulabschlüsse sowie Bildungsreisen.

Pressekontakt

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Ansprechpartnerin: Sonja Hildebrandt